Körpergefühl und Körperliche Intelligenz

Es ist Zeit auf den Körper zu hören

In der Beschreibung meiner Arbeit benutze ich häufig die Begriffe „Körpergefühl“ und „Körperliche Intelligenz“. Was meine ich damit und wie kann man „auf den Körper hören“? Ich möchte versuchen es konkret zu erklären.

Jeder kennt das Bauchgefühl

Viele von uns treffen täglich wichtige intellektuelle Entscheidungen. Dazu benutzen wir eine innere Datenbank aus objektiven Informationen, erlerntem Wissen und Erinnerungen an eigene Erfahrungen. Manche Entscheidungen müssen getroffen werden, ohne dass wir ausreichende Informationen oder genug Zeit für einen Vergleich haben. Werden diese Entscheidungen trotzdem getroffen, reden wir von Bauchgefühl und treffen diese intuitiv – so zu sagen „aus dem Bauch heraus“. Intuitive Entscheidungen basieren auf Informationen aus dem unbewussten Teil des Gehirns. Wir können die Entscheidung nicht objektiv begründen, aber sie fühlt sich richtig an.

Zugriff auf das Unbewusste durch die Sinne

Auch die menschlichen Sinne haben Zugriff auf das Unbewusste. Traditionell redet man über die folgenden fünf Sinne; Sehsinn, Hörsinn, Geruchssinn, Geschmackssinn und Tastsinn. Mittlerweile sind aber weitere Sinne anerkannt; Gleichgewichtssinn, Schmerzempfindung und Körperempfindung.

Durch Rezeptoren auf der Haut und im gesamten Körper werden Informationen aufgenommen. Diese werden im unbewussten Teil des Gehirns verarbeitet, oft auch während wir bewusst über etwas anderes nachdenken. Der direkte Kontakt dieser gesammelten Informationen mit bereits bestehenden Erfahrungen und Emotionen, führt dazu, dass körperliche Entscheidungen schnell getroffen werden können. Nehmen wir als Beispiel den Geschmackssinn:

Wir sind konzentriert bei unserer Arbeit und gucken nicht auf die Nüsse, die wir nebenbei knabbern, bevor wir sie in den Mund stecken. Plötzlich reagieren wir auf eine Nuss, die faul schmeckt. Unser Geschmackssinn hat bei jeder Nuss Informationen zur Konsistenz und zum Geschmack an das Gehirn weitergeleitet und konnte so merken, dass diese eine Nuss anders schmeckt. Sie hat geschmacklich an etwas erinnert, das schlecht oder sogar gefährlich ist. Diese Information wurde unbewusst mit bereits bestehenden Informationen im Gehirn verglichen. Auf diese Weise wird dem Körper signalisiert, dass er die Nuss nicht schlucken darf. Also muss die Nuss raus.

Propriozeption

Ein weiterer Sinn ist, wie bereits erwähnt, die Körperempfindung, auch Propriozeption genannt. Wenn man mit geschlossenen Augen den Arm hebt, kann man fühlen, wo er sich befindet. Das ist durch die Körperempfindung möglich. Dies ist die Fähigkeit zu verstehen, wie alle Teile des Körpers eine Einheit bilden. Rezeptoren in Muskeln, Gelenken und Sehnen nehmen Informationen auf um zu registrieren, wo sich das Körperteil befindet. Es wird in Relation zu anderen Körperteilen und zu seiner Umgebung gesetzt. Zusätzlich wird ermittelt, ob sich das Körperteil bewegt und wenn ja, mit welcher Geschwindigkeit und mit wie viel Kraftaufwand.

Den Körper positiv wahrnehmen

Wenn wir uns bewusst bewegen und dadurch unsere Wahrnehmung schulen, können wir die Empfindlichkeit der Rezeptoren steigern. Das hat zur Folge, dass wir schneller angemessen reagieren können. Wir sammeln neue und positive Erfahrungen bezüglich unseres Körpergefühls. In unserer inneren Datenbank werden diese Erfahrungen mit Erfolgsgefühlen verknüpft: Es geht uns gut, wir fühlen uns entspannt und sind körperlich selbstbewusster. Die Übungen, die wir in der bewussten Bewegung ausführen, werden nach regelmäßiger Wiederholung mit diesem neuen Körpergefühl verbunden. Das wiederum erhöht die Motivation sich bewusst zu bewegen, was langfristig zu einer besseren Haltung, mehr Ausdauer und Ausgeglichenheit führt.

Oft wird der Körper erst wahrgenommen, wenn er Probleme macht. Wenn er unter Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Nackenschmerzen oder an Erschöpfung leidet. Unser Körper sendet allerdings schon lange vor diesen Beschwerden Signale dafür, dass eine Änderung erwünscht ist. Die Frage ist, wie viel davon hören oder verstehen wir?

Mit mehr Fokus auf die körperliche Intelligenz und das Körpergefühl lernen wir aufmerksamer zu sein und mit unserem Körper zu kommunizieren.